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Maikäfer flieg!

 
Mein Interesse galt schon seit langem jenen alten Kinderliedern und -reimen, die sich vornehmlich mit Gewalt und Tod beschäftigen. Diese fand ich in den Lied-sammlungen des 19. Jahrhunderts, eingebettet in einem Konvolut romantisch verklärter, niedlicher Kinderlieder, was den Schrecken dieser Reime um so mehr betont.

Einige von ihnen sind noch heute weit verbreitet, wie zum Beispiel das Maikäferlied. Es gehört zu den bekanntesten deutschen Kinderliedern, ein Schlaflied, gesungen zu der Melodie des Wiegenlieds „Schlaf, Kindchen, Schlaf“, welches in zahlreichen Varianten vorkommt. Verstörend ist der seltsame Text, der nicht so recht zu der lieblichen Melodie passt. Es ist die Rede von Krieg und verbranntem Land, gerichtet an ein offensichtlich elternloses Kind, dass es zu trösten gilt. Der Ursprung des Maikäferlieds ist nicht genau bekannt. Manche Historiker datieren es in die Zeit des 30jährigen Krieges, andere verlegen seinen Ursprung in die Zeit des siebenjährigen Krieg Preußens gegen die Habsburger.

Leichter ist es dagegen, den Ursprung der abgewandelten Variante „Bet't, Kinder Bet't, morgen kommt der Schwed', morgen kommt der Oxenstern, wird die Kinder beten lern', bet't, Kinder, bet't“ zu bestimmen. Eltern drohten ihrem Nachwuchs mit diesem Lied vor dem Einmarsch schwedischer Soldaten, die unter der Befehls-gewalt des schwedischen Kanzlers Axel Oxenstierna ihre territorialen Gewinne in Deutschland zum Ende des 30jährigen Krieges erfolgreich verteidigten.

Kinder hatten es bis zum 20.Jahrhundert bei uns nicht leicht. Krieg, Gewalt, Hunger und Krankheiten waren die Ursachen einer hohen Kindersterblichkeit, wie wir sie heute nur aus Ländern der Dritten Welt kennen. Dieses Erleben des schutzlosen Ausgeliefertseins wurde, oft in sehr verniedlichter Form, in Kinderliedern weiter-gegeben. Und so befassen sich viele Verse alter Kinderlieder und -reime mit Gewalt und Tod. Dahinter steckt aber keine Verharmlosung, vielmehr ist es die kindliche Art mit solchen Schrecken umzugehen, um überleben zu können. In großer Klarheit und Direktheit wird der Gegebenheiten erinnert, oft absurde Zusammenhänge hergestellt und diese auch noch mit Spott und Ironie versehen. Manche Verse lesen sich wie Beschwörungsformeln, die Unheil abwenden sollen.

Diese Reime dienten aber auch der Drohung und Einschüchterung in der Kinder-erziehung der sogenannten Schwarzen Pädagogik. Dem Kind, das seinen Eigen-sinn nicht aufgab und den Vorgaben seiner Eltern nicht folgte, wurde mit Bestrafung durch Schmerz, Gewalt und sogar mit dem Tode gedroht. Ich vermute, dass sie auch aus diesem Grund den Eingang in die oben erwähnten Liedersammlungen fanden.

Seit 2017 arbeite ich daran, ausgesuchte Reime entsprechend bildnerisch darzu-stellen. Dazu wähle ich alte Holztafeln aus meinem Materialfundus, auf welche ich mit schwarzer Tusche das Motiv male und mich dabei von der ausgeprägte Maserung des gealterten Holzes leiten lasse. Ergänzt werden die Bildtafeln durch etwa gleich große, farblich korrespondierende Pappen oder Hartfaserplatten mit den aufgebrachten Liedtexten.

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Der Hering  –  2020, Tusche auf Hartfaser, 95 x 145 cm, rechte Bildhälfte
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