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Künstlerische Gestaltung der Betonoberfläche des Kirchturms von St. Judas Thaddäus in Berlin-Tempelhof nach erfolgter Beton-Sanierung

2014 beauftragte mich das Architektur-Büro D:4 in Absprache mit dem Erzbistum Berlin und der katho-lischen Kirchengemeinde St.-Judas-Thaddäus in Berlin-Tempelhof, ein Konzept für eine künstlerische Oberflächengestaltung des zu sanierenden, denkmalgeschützten Betonkirchturms zu erstellen. In Abstimmung mit der Denkmalbehörde wurde vereinbart, aus gestalterischen und finanziellen Gründen auf ein Imitat der alten Schalungsmuster zu verzichten und stattdessen als exemplarischen Ansatz den Weg einer künstlerischen Neuinterpretation der Turmgestaltung zu gehen.

Ich entwickelte 2015 dafür einen Vorschlag, der auf der vollständigen Abstraktion vorge-gebener biblischer Texte basiert, die bestehende senkrechte Gliederung der Turmfassade aufnimmt und neu interpretiert. Dazu entwarf ich einen eigenen Strichcode, bei dem die Buchstaben von Bibeltexten, von den Gemeindemitgliedern ausgewählt, auf schmale Grate reduziert wurden und nur noch als Linien erkennbar sind. Die von den Gemeindemitglie-dern vorgeschlagen Bibelverse wurden konsequent abstrahiert, bis aus ihrem eigentlichen Schriftbild nur noch eine Abfolge von rechteckigen Feldern in der Breite von zehn, acht oder fünf Zentimetern übrig blieben, welche Zeile für Zeile auf die insgesamt 600 qm Wandfläche am Turm aufgebracht wurden. Zwischen den Feldern stehen leichte Betongrate hervor, die die Fassade durch den ständig sich verändernden Schattenwurf dynamisieren.

Weit davon entfernt, wirklich lesbar zu sein, sind nun dort symbolisch unter anderem drei „Verheißungstexte“ aufgetragen: aus der Geschichte vom „ungläubigen Thomas“ und aus der Offenbarung. Vom dritten Text ist der Zusatz „Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ in die Gestaltung integriert. In gleichgroßen Feldern angeordnet über die gesamte Turmoberfläche gelegt, geben sie den Takt der Betonflächen der Kirchturmwände vor und erzeugen eine rhythmische, vibrierende Oberfläche, welche dem Betrachter einen großen Interpretationsspielraum ermöglicht. Die durch den hohen Abstraktionsgrad bewusst ent-standene Unschärfe lässt die Botschaft in den Hintergrund treten, schafft somit Raum für kritisches Hinterfragen und regt gleichzeitig zum Dialog an.

Der Vorstand der zugehörigen Pfarrgemeinde Herz Jesu und St. Judas Thaddäus sieht den großen Gewinn der Neugestaltung darin, dass die Gemeindemitglieder „etwas Persönliches in den Turm“ hätten schreiben können: „Der Turm erzählt das Leben von Kirche in der Zeit.“ Durch die Auswahl ihrer Lieblingstexte haben sich die beteiligten Gemeindemitglieder im tatsächlichen Wortsinn in das Gebäude eingeschrieben. Dies sei eine zusätzliche „theolo-gische Aufladung“ der Turmfassaden.

Im Frühjahr 2017 erfolgte die Fertigstellung der Oberfläche durch Bauhandwerker an Hand eigens ausgearbeiteter Pläne.

turm
Dokumentation Sanierung Kirchturm St. Judas-Thaddäus

 
 
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